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GFJ - GesundPlus Magazin, Themenschwerpunktschwindel

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Ein gewundener Weg mit

Ein gewundener Weg mit vielen Stufen bis zur Heilung. Foto © ccdevice - Fotolia.com Ein langer Weg – Erfahrungsbericht von 1970 bis heute Diesmal hatte mich die »Grippe« ziemlich erwischt. Nicht nur Fieber, Halsweh und Schnupfen plagten mich, ich verspürte Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, die es mir unmöglich machten zu stehen. Eine Woche hütete ich das Bett, musste auf allen Vieren zur Toilette und es wurde nicht besser. Dennoch war meine behandelnde Ärztin der Meinung ich sei wieder arbeitsfähig, da kein Fieber mehr bestand. Der Schwindel komme vom Kreislauf, nach einer Woche Bettruhe sei das ganz normal. Da ich beruflich selbst in einer Klinik tätig war, ließ ich mich dort in der HNO-Abteilung untersuchen. Man stellte einen Nystagmus der Augen fest (ruckartige Bewegungen), der meinen Schwindel bestätigte und operierte »Mandelreste, die nachgewachsen waren«. Nach ca. 3 Wochen Krankenhausaufenthalt waren meine Gleichgewichtsstörungen verschwunden und ich wurde »als geheilt« entlassen. Nach 5 Jahren, abermals in Zusammenhang mit einem grippalen Infekt, erlitt ich die nächste schwere Schwindelattacke. In der Zwischenzeit war ich verheiratet, hatte zwei kleine Kinder und wohnte mit meiner Familie in einer anderen Stadt. Erneut wurde ich in einem Krankenhaus stationär aufgenommen und da man nicht feststellen konnte woher der Schwindel kam, 4 Wochen lang mit Psychopharmaka behandelt. Zu dieser Zeit wurden Beschwerden, die man nicht einordnen konnte schnell als »psychogen« abgetan. Ruhiggestellt musste ich diese Zeit ausschließlich im Bett verbringen. Die nächsten 2 Jahre waren »schwindelfrei« und wir wohnten zwischenzeitlich in Köln, hier bekam ich den nächsten Anfall. Mein HNO-Arzt hatte bereits eine Vermutung und riet mir zu einer Magnet-Resonanz- Tomographie (MRT), einer damals neuen Untersuchungsmethode die etwa Mitte der 1980er Jahre Einzug in die Medizin gehalten hat. Allerdings gab es nur wenige Praxen oder Kliniken die über diese Technik verfügten. So wurden die Patienten aus dem Kölner-Raum »gesammelt« und gemeinsam mit einem Kleinbus zu einem Nuklearmedizinischen Zentrum gebracht. Nicht einmal die Universitätsklinik Köln verfügte damals über einen Kernspintomographen. Endlich stand die Diagnose fest: Ich litt an einem Akustikusneurinom, einem gutartigen Tumor der vom Nervus vestibularis, dem Gleichgewichtsnerven ausgeht. Bei dieser Erkrankung sind meist die ersten 14 | GesundPlus Magazin

Ein langer Weg – Erfahrungsbericht Anzeichen ein Hörverlust oder Hörminderung und Tinnitus (dauerndes Pfeifen oder Klingeln im Ohr). Mein Hörvermögen war aber unbeeinträchtigt und auch unter Tinnitus litt ich nicht. So riet mir der behandelnde HNO-Arzt zunächst von einer Operation ab, da ich auf dem betroffenen Ohr mit großer Wahrscheinlichkeit taub werden würde. So ging ich also einmal jährlich zum Kontroll-MRT um das Größenwachstum zu kontrollieren. Dies war eine gute Entscheidung, wie ich später feststellen sollte. Ein Berufswechsel brachte unsere Familie nach Regensburg. Eine neue Stadt, ein neuer HNO-Arzt. Mittlerweile hatte ich mich mit der Diagnose auseinander gesetzt, über Operationsmethoden und deren Prognose informiert. Ich war also vorbereitet. 1990 kam unsere Jüngste zur Welt und wir befanden uns mitten im Hausbau als mich eine erneute Gleichgewichtsattacke aus der Bahn wirft und mein Akustikusneurinom plötzlich an Größe zunimmt. Unpassender konnte der Zeitpunkt nicht sein. Gemeinsam mit meinem HNO-Arzt überdachte ich die Wahl des geeigneten Operateurs. Nur zwei Spezialisten für diese Operation gab es damals in Deutschland, ich entschied mich für einen Professor aus Erlangen. Neun Stunden dauerte die Operation, »die Abtrennung des Tumor war zeitraubend und riskant« stand im Operations-Bericht. Ich wurde an meinem Geburtstag entlassen, der Professor gratulierte mir zum Abschied und meinte, ich könne nun zweimal Geburtstag feiern. Happy end? Ja! Zwar habe ich mein Gehör rechts verloren, musste mit nur einem Gleichgewichtsnerven wieder »laufen lernen«, aber wenn ich an die Methoden der Heiler vergangener Tage denke bin ich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Claudia H. Spelic, Journalistin Foto © fottoo - Fotolia.com GesundPlus Magazin | 15

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